ShadowDark – The Black Wyrm of Brandonsford: Rotzfrech und mehr Glück als Verstand

Den ersten Artikel der Shadowdark-Reihe gibt es unter ShadowDark – The Black Wyrm of Brandonsford.

Nachdem wir das Rätsel um den verschwundenen Schnapps im Keller der Taverne zum Güldenen Ei gelöst und die Kohle eingesackt hatten, legten wir uns erstmal aufs Ohr. Am nächsten Morgen überlegten wir gemeinsam, wie wir weiter vorgehen wollten. Eigentlich hatte uns ja die Kunde vom Schwarzen Lindwurm nach Brandonsford gelockt, wir kamen aber überein, dass wir erstmal Land und Leute genauer kennenlernen sollten, bevor wir den Lindwurm von der Kehle bis zum Bauch aufschlitzen würden. So die Formulierung unserer jugendlichen Halbling-Diebin Ralina. (Auch wenn diese ganze „Beinarbeit“ davor eher „langweilig“ ist …) Wir hatten bereits eine ganze Reihe an Leuten im Dorf getroffen oder von ihnen gehört: von George, dem Jäger, der bei einer Begegnung mit dem Lindwurm einen Arm verloren hatte; Vater William, den lokalen Priester; Eric den Bürgermeister; den Wirt der Taverne; Naganin – siehe den ersten Artikel.

Der goldene Fuchs

Als wir außerhalb von Brandonsford unterwegs waren, erschien uns plötzlich ein goldener Fuchs, von dem wir sehr fasziniert waren – er war wirklich wunderschön und sprang in wellenartigen Bewegungen umher. Während wir das schöne Tier betrachteten, brachen plötzlich zwei riesige, wolfsartige, schwarze Hunde durch das Unterholz und stellten den Fuchs in einiger Entfernung! Die Hunde waren wirlich unheimlich mit ihren schwach glimmenden Augen und ihren geifernden Mäulern. Jorbin, der Zwerg, machte sofort hinter den Hunden her, um dem Fuchs eine Flucht zu ermöglichen, wurde jedoch von einem der Tiere hart umgeworfen.

Thrak, der Halbork-Priester, und Ralina brauchten etwas länger, um hinterherzukommen. Ralina ruckte noch mit ihrer Armbrust herum, als der schwarze Schatten des riesigen Hundes auf den Zwerg traf, aber leider ging der Bolzen ins Unterholz statt in den Kopf des Tieres. Verdammt! Der zweite Hund wandte sich gerade Thrak zu, als plötzlich drei Reitende den Ort des Geschehens erreichten und von ihren unheimlichen, rossartigen Kreaturen arrogant auf uns niederblickten. Es waren zwei Elben und eine Elbin, die offensichtlich auf der Jagd nach dem goldenen Fuchs waren. In der Zwischenzeit war der Fuchs entflohen.

Nennt mich lieber nicht „niedlich“ …

Diese fast außerweltlich anmutenden Elb;innen zeigten sich sehr unerfreut darüber, dass einer ihrer Hunde „beschädigt“ worden war und ließen uns das durch herablassendes Verhalten und Sprache spüren. Sie entschieden sich, nun uns statt dem Fuchs zu jagen und machten deutlich, dass sie zweimal in ihr Jagdhorn blasen würden: Nach dem ersten Ton könnten wir weglaufen, nach dem zweiten würden sie uns nachstellen.

Unsere Gruppe war scheinbar total bescheuert, denn sowohl Jorbin als auch Ralina dachten gar nicht daran, vor den marmorbleichen Baumkuschler:innen zu katzbuckeln. Jorbin schleuderte dem Elbenanführer ein „Ishkhaqwi ai durugnul!“ – „Ich spucke auf dein Grab!“ – entgegen und trat mit Axt und Schild auf den Elbenund dessen Pferd zu. Er grollte „Khazâd ai-mênu!“ – „Die Zwerge kommen über euch!“ – und zerschmetterte mit seiner Axt die Vorderläufe des Elbischen Pferdes. Fast zeitgleich hob Ralina ihre Armbrust in Richtung des Kopfes des Elben, der sie kurz zuvor noch „niedlich“ genannt hatte – ein großer Fehler! Noch während der Elb zu stürzen begann, drückte Ralina den Abzug ihrer Armbrust und schoss dem Elben einen Bolzen mitten in die Stirn und tötete ihn.

Die beiden restlichen Elb:innen gerieten ob des undenkbaren Verhaltens in Panik und stoben durch das Unterholz davon, ihre Jagdhunde mitreißend. Vermutlich würden sie nicht lang wegbleiben, also entschieden wir uns, den Ort des Geschehens schnellstens zu verlassen. Zuvor erlöste Ralina das schwer verletzte Pferd noch von seinem Leiden und Jorbin fledderte die Leiche des toten Elben und verteilte Gut und Waffen auch an uns. Ralina war nun in Besitz eines Kurzschwertes.

Der goldene Fuchs kam zurück und zeigte uns etwas

Plötzlich tauchte der goldene Fuchs wieder auf und sprang um uns herum, sich immer wieder nach uns umschauend – als würde er wollen, dass wir ihm folgten. Das taten wir und so gelangten wir im Wald zu den Resten eines alten Steinkreises, in dessen Mitte sich ein runder Fels mit mehreren Mulden befand. Als wir uns die Mulden näher anschauten, erkannten wir, dass das Material darin Blut sein musste. Wohin hatte uns der Fuchs nur geführt? Er schien jedenfalls zufrieden, schaute uns noch einmal an und verschwand dann im Unterholz. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass er sich von uns verabschiedet hatte. Die Felsplatte war von seltsamen Ornamenten bedeckt, die ein wenig an Runen erinnerten, die wir jedoch nicht entziffern konnten.

Die singenden Goblins auf der Insel … und ein Abdruck

Nicht allzu weit entfernt musste die kleine Insel im Fluss sein, auf der sich das Camp einer Karawane befinden sollte. Wir begaben uns also in die Richtung und wurden aus der Entfernung Zeugen einer Gruppe von singenden Goblins, die sich über die Reste des verwüsteten Camps hermachten. Sie sangen ein garstiges Lied zu Ehren von Hoggboon, dem Goblin-Hochkönig, dessen Gebiet sich im Westen befand. Wir trafen flugs die Entscheidung, dass wir uns mindestens einen dieser Genossen schnappen wollten, um ihn zu befragen. Also schlich Ralina unbemerkt in die Nähe der Insel und Thrak folgte ihr leise mit etwas Verzögerung. Jorbin blieb ob seiner schweren und lauten Rüstung zurück, wir wollten die Goblins in seine Richtung scheuchen. Es lag ein schwefeliger Geruch in der Luft und aus der Nähe waren die zerfetzten Überreste von Zelten und Menschen deutlich sichtbar. Außerdem wurde Ralina in einer Pfütze noch etwas Anderes gewahr: dem Abdruck einer riesigen Pranke im Matsch …

Meta

Wir hatten dermaßen Glück. Sowohl unsere SL als auch wir rechneten während der Begegnung mit den Elben jede Sekunde damit zu sterben. Die SL hatte uns schon angedeutet, dass mit den Elben nicht zu spaßen sei, dennoch entschieden sich Jorbin und Ralina dazu, denen die Stirn zu bieten. Ralina hatte mächtig Würfelglück und streckte den Elben-Anführer mit 4 Punkten Schaden nieder. Hätten die restlichen Elb:innen nicht ihren Moralwurf verhauen, hätte es für uns schlecht ausgehen können. Gerade Ralina ist mit ihren nur 3 Trefferpunkten ziemlich fragil. Ob ich sie nochmals so risikofreudig agieren lassen würde? Ich bin mir nicht sicher. Jedenfalls hatte auch unsere SL uns schon tot gesehen. Da wir oldschoolig spielen, wären die Würfel auch nicht gedreht worden. Wir sind dem Tod also arg von der Schippe gehüpft.

Das Regelsystem

ShadowDark ist auf Spielendenseite echt einfach: Egal, was man macht, die Handlung wird mit 1W20 plus Attribut gegen eine Schwierigkeit aufgelöst. Es gibt noch Vorteil und Nachteil, ähnlich wie bei D&D, das war es. Super-easy.

Mein Fazit

Es hat riesig viel Spaß gemacht! Wir haben gerade mal zwei Stunden gespielt und es war sowohl lustig als auch intensiv und gefährlich. Unsere SL hat das in Echtzeit (!) improvisierte Lied der Goblins tatsächlich angesungen, was großartig war! Leider hat es sich niemand notieren können, sonst hätte ich es hier wiedergegeben.

Die Chemie in der Runde ist funtastisch, wir achten mit der SL instinktiv darauf, dass alle zum Zuge kommen. Auch die Funktionen passen gut, denn während Halbork-Prieser Thrak auf der Metaebene nur noch „CSI Brandonsford“ genannt wird, liegt Ralina (Thorsten) dieses Detektivzeugs nicht so. Sie ist lieber quirlig, ein bisschen impulsiv und frech – und hoffentlich ein bisschen liebenswert. Die liebe Person, die sich teilweise in Ralina widerspiegelt, ist es jedenfalls.

Ich freue mich auf die nächste Runde, in der wir uns weiter dem Lindwurm nähern werden – wenn wir den Showdown überhaupt noch erleben. Sicher ist das bei ShadowDark nicht.


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Veröffentlicht von

Thorsten

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Rollenspieler, Nerd.